E wie Ehemänner

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Flo und Chrissy

Mittwochabend vor sechs Wochen. Geschirr klappert in der Küche. Schnell räumt Chrissy noch den Geschirrspüler aus und deckt nebenher den Tisch. Flo wird in wenigen Minuten von der Arbeit kommen. Er mag es, wenn das Essen dann fertig ist und er mit Chrissy gemeinsam gemütlich am Tisch sitzen kann und beide sich von den Ereignissen des Tages erzählen.

Kaum sind die Servietten gefaltet, hört Chrissy den Schlüssel im Schloss. Polternd betritt Flo die Wohnung. Lächelnd denkt Chrissy: Er begreift es nie. Jeden Tag, wenn Flo in den Flur tritt, hat er seinen Rucksack noch auf dem Rücken. Dreht er sich dann um, um die Tür zu schließen, fegt er damit die hölzerne Giraffe, die Flo und Chrissy sich vor zwei Jahren aus Kenia mitbrachten, von dem kleinen Schuhschrank, direkt neben der Tür. Kichernd stellt Chrissy die Giraffe wieder an ihren Platz. „Mir würde etwas fehlen, wenn die Giraffe auch nur einmal nicht krachend zu Boden gehen würde. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, wir seien auf Safari.“ Auch Flo lacht. Sie fallen sich in die Arme und schlendern nach dem Begrüßungskuss ins Esszimmer. Während Flo die Reispfanne aus der Küche holt, zündet Chrissy die Kerzen an und schenkt Wasser ein.

„Hmmmm ist das wieder lecker.“ schwärmt Flo.

Chrissy strahlt und will wissen, „Wie war es denn in der Firma?“

„Wir haben eine neue Kollegin. Man hat die einen Knackarsch. Aber  total arrogant die Zicke. Und Brauer, der aus der Buchhaltung, ist scharf wie ein Radieschen. Immerzu kommt er angedackelt und will was wissen von ihr. Die Sozialversicherungsnummer, die Krankenkasse. Lydia, so heißt die Neue, hat ihm bei der Dritten Nachfrage einen Stapel Kopien in die Hand gedrückt: Hier steht alles drin, dann müssen Sie nicht so oft hin und her laufen. Wir haben uns einen gelacht und Brauer ist mit rotem Kopf abgezogen.“

Chrissy muss auch lachen. „Brauer hängt aber auch an jedem Rockzipfel. Glatzkopf mit Bauch eben. Testosteronüberschuss.“  Flo nickt bestätigend. „Du, wir müssen gleich noch mal los. Ich hab eine Überraschung für Dich.“

„Überraschung? Ich liebe Überraschungen.“ quietscht Chrissy.

Hand in Hand springen Chrissy und Flo aus der S-Bahn am Dammtor und schlendern in Richtung Planten un Blomen. Flo weiß, wie sehr Chrissy die nächtlichen Wasserspiele liebt. Hingerissen schauen beide den Lichtspielen und Wasserfontänen zu. Heute Abend gibt es ein besonderes Musikprogramm dazu, umrahmt mit einer Moderation. Zu den Klängen von Brian Adams und U2 erstrahlt der kleine See in schillernden Farben und die Fontänen bilden die Diskokugel. Zwei Studenten laufen mit Mikrofonen durch die Besuchermengen und bitten um Musikwünsche, zu denen prompt die Wasserspiele fortgesetzt werden. Chrissy ist so versunken in diesen romantischen Anblick, dass es Flo gelingt, unbemerkt das Mikrofon zu nehmen. Die Musik verstummt und Flo spricht ins Mikro: Chrissy, Du weißt, ich liebe Dich. Noch nie habe ich einen Menschen so geliebt. Willst Du mich heiraten? Völlig überrumpelt und verwirrt schaut Chrissy zwischen dem Wasser und den vielen Menschen und Flo hin und her. Unendliche sieben Sekunden lang dauert es, bis Chrissy sagt: Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa. Beifall von den Zuschauern. Zu den Klängen von Everything I do plätschern die Wasserspiele weiter. Flo und Chrissy liegen sich in den Armen.

Hochzeitstag. Nur dieengsten Freunde und die Eltern von Chrissy und Flofinden sich im Leuchtturmstandesamt in Pellworm ein. Klein aber fein soll dieser Tag gefeiert werden. Aufgeregt wartet die Hochzeitsgesellschaft bis das Paar vor Chrissy und Flo den Saal verlassen hat. Eine wunderschöne Braut in weißer Seide spaziert glücklich und stolz auf die wartenden  120 Gästen zu. „Is schon Mist, wenn nur 9 Leute in den Saal passen.“, zischt Flos Vater schadenfroh und schaut  grinsend in die Runde. Flo und Chrissy scheint es, als wenn das Spektakel kein Ende nehmen will und sie können es kaum erwarten, selbst das Ja-Wort zu hauchen. Endlich ist es auch so weit. Der Eingang zum Saal wird frei und die kleine Gesellschaft nimmt Platz.

Der Standesbeamte hält eine kurze rührende Rede. Von Verantwortung redet er und Zusammengehörigkeitsgefühl. Den Abend in Planten un Blomen schmückt er rhetorisch gewandt aus und stellt endlich die von allen mit Ungeduld erwartete Fragen.

„Herr Florian Jens Alt, wollen Sie …“ „Ja! Ich will.“ Unterbricht Flo. Der Standesbeamte zieht pikiert die Augenbrauen hoch und wendet sich Chrissy zu. „Und Herr Christian Baumert, wollen Sie den hier anwesenden Florian Jens Alt ehelichen?“ „Ja, ich will.“

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