J wie Jetski – Jamira Petosch

J wie Jetski – Jamira Petosch

Seit vielen Jahren schon fuhr Johanna immer über Weihnachten mit ihrem Jeep und den Langlaufskiern nach Jachenau, einem idyllischen Ort nahe dem Walchensee. Ganz vernarrt schien sie in dieses Dorf im Sonnental zu sein, in dem die alteingesessenen Jachenauer mit Janker und Lederhose die  Jahrhunderte alten Traditionen beim Schuahplattln pflegten. Im Gemeindesaal wohnte sie dem Dirndldrahn Jahr um Jahr bei und auch die Goaßlschnoizer auf schneebedeckten Wiesen faszinierten sie. Mit so etwas konnte Loog, ihr Heimatort auf Juist, nicht aufwarten.

In Jachenau genoss sie die frische Bergluft, den in der Sonne glitzernden Schnee, die Ruhe und aß meist Jägerschnitzel mit Salzkartoffeln an Jostabeerengelee, trank dazu Jagertee oder ein großes Glas Johannisbeerschorle. Sie blieb bis in den Januar hinein, feierte im Kurpark mit Jadwiga, ihrer Pensionswirtin, zahlreichen Gästen aus nah und fern Silvester und erfreute sich am bunten Feuerwerk vorm nachtblauen Sternenhimmel.

Jadwiga schwärmte auch dieses Jahr wieder vom Jachenauer Kultursommer mit den Jazztagen im Juli. Natürlich würde Johanna, die zusammen mit ihren Eltern Justus und Jutta in Jever ein Juweliergeschäft betrieb, sehr gerne mit von der Partie sein. Blieb nur noch die Frage zu klären, ob die Eltern ihren geplanten Urlaub auf Java verschieben würden. Zur Not blieb ja noch Jessica, ihre Tante mütterlicherseits, die zusammen mit Jürgen, ihrem Lebensgefährten, sicher das Geschäft für eine gewisse Zeit übernehmen würde, froh, dem Joch des tyrannischen Großvaters für ein paar Wochen entfliehen zu können. Doch wie Johanna Justus und Jutta einschätzte, würden sie lieber daheim bleiben, als Jessica zu bitten. So sagte sie Jadwiga noch nicht zu, versprach aber, sich zu melden, sobald sie das klären konnte.

Auf der Rückfahrt hinauf in den Norden legte Johanna in der Nähe von Schloss Johannisberg einen Zwischenstopp ein und nahm sich dort ein Zimmer mit Blick auf den Rhein. Den Abend verbrachte sie im hoteleigenen Restaurant, ließ sich vom Juniorchef gegrillte Jacobsmuscheln servieren und erfreute sich an den Showeinlagen – Jongleure in Jeans.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Naturjoghurt, Dinkelbrötchen, Jagdwurst und Kaffee ging es in einem Rutsch nach Jever. Justus schloss gerade die Ladenpforte ab, als Johanna eintraf. Selbstverständlich sprach nichts gegen einen Aufenthalt in Jachenau im Juli, so sagten sie Johanna in ihrer schicken Villa am Rande des Schlossparks. Denn sie wollten nur irgendwann mal nach Java und nicht unbedingt dieses Jahr. Voller Vorfreude rief Johanna Jadwiga an und reservierte ein Einzelzimmer für den ganzen Juli.

Das erste Halbjahr flog nur so dahin mit Jetskifahren in der Nordsee, Arbeiten im Juweliergeschäft, Judo im Juister Zentrum für japanische Kampfsportarten und ehe es sich Johanna versah, wurde es erneut Zeit, die Koffer zu packen.

Mit großem Hallo umarmte Jadwiga Johanna, die sich nicht entscheiden konnte, zu welcher Jahreszeit Jachenau schöner schien: Jetzt sah Johanna blühende Wiesen, grüne Laubbäume, grasende Kühe und um ihre sommersprossenverzierte Nase wehte eine herrlich frische Brise. Johanna lud Jadwiga zum Abendessen in ihr Lieblingslokal ein. Sie saßen im Biergarten und tranken Jever-Pils zum Jägerschnitzel, bevor sie zum Kurpark schlenderten. Schon von weitem hörten sie die Jazzmusik und ergatterten einen Tisch unweit der Bühne. Jadwiga hatte Johanna im Winter nicht zu viel versprochen, das stand schon mal fest. Wie hypnotisiert verfolgte Johanna das Zupfen der Saiten des sympathisch wirkenden Kontrabassisten mit seinem schwarzen Dreitagebart. Ihre Blicke wechselten unablässig von seinem Gesicht hin zu seinen Händen, selbst als Jadwiga sie am Arm zupfte, reagierte sie nicht. Auch er schien sich für sie zu interessieren, denn in der Pause gesellte er sich zu den beiden und stellte sich als James vor. Jadwiga fühlte sich schnell als drittes Rad am Wagen und ließ sie allein.

Es muss wohl Liebe auf den ersten Blick zwischen Johanna und James gewesen sein, denn sie verlobten sich noch am gleichen Abend und gaben sich im darauf folgenden Winter in Jachenau das Ja-Wort.

                        Ende

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