Szenenwechsel

Szenenwechsel

Andrea

Mein Gott, nun zieht er sich wieder daran hoch. Immer kramt er die alten Kamellen vor, um vom eigentlichen Problem abzulenken. Vor allem, wenn er selbst die Ursache des Problems ist. Nur weil ich vor sechzehn Jahren mal mit seinem Kollegen geknutscht habe, beansprucht er für sich einen Freifahrtschein. Wie mich das nervt.

 „Du brauchst mir alte Geschichten nicht vorzuwerfen, die hast du mir mit Zinseszins zurückgezahlt.“ Wütend werfe ich seine Lieblingstasse an die Küchentür. „Was willst du damit sagen? Dass ich mit deinen Kolleginnen rumknutsche?“ Andreas sammelt die Scherben auf und versucht sie auf dem Küchentisch wieder zusammenzusetzen. Ich schaue ihm fassungslos zu. Wie kann er mit Porzellanteilen puzzeln, während unsere Ehe hier auf dem Spiel steht. Reden kann man mit dem auch nicht vernünftig, der starrt lieber auf die Scherben dieser dämlichen Tasse. Vor Wut könnte ich noch ein paar Tassen hinterher werfen.  „Ich will gar nichts sagen, außer dass du unserer neuen sexy Nachbarin nachgaffst und ihr die Wasserkisten in die Wohnung schleppst. Ihr duzt euch. Seit wann das denn? Und die Kusshand die sie dir nachwirft. Lä-cher-lich!“

„Du sagst es. Lä-cher-lich! Und warum regst du dich dann so auf?“

„Kannst du mich nicht verstehen, oder willst du es nicht?“ Verständnislos schaue ich Andreas an. Nur weil die Tusse ihre Cellulitis in blickdichten Strumpfhosen versteckt, kriegt er Stielaugen. Ich kann nackt vor ihm auf der Couch liegen und er schaut im Fernsehen „Welt der Wunder“ oder den „Tatort“.

„Weißt du was. Renn doch zu der Nachbarin, mir ist das egal. Nur steh dazu und gib endlich zu, dass du mich nicht mehr liebst.“

Heulend sinke ich vor der Spülmaschine auf den Boden. Andreas steht auf und geht. Ich höre die Wohnungstür klappen. Bestimmt geht er zu ihr.

Andreas

Man, man, man. Will die mich denn immer falsch verstehen? Ich hab gesagt, dass ich ihr die Knutscherei verziehen habe und sie denkt, ich werfe ihr das immer noch vor. Warum sollte ich ablenken wollen? Ich hab nix mit der Nachbarin. Wie auch, die steht auf Frauen. Was soll ich ihr denn mit Zinseszins zurückgezahlt haben? Habe ich jemals mit ihren Kolleginnen rumgeknutscht? Nein. Nun wirft sie auch noch meine Lieblingstasse an die Tür. Sieht so aus, als wenn man die noch zusammenkleben kann. Oh Gott, jetzt rastet sie völlig aus. Als wenn mir so eine dämliche Tasse wichtiger wäre, als unsere Beziehung. Und dann immer diese Frage nach dem Verstehen. Natürlich will ich sie Verstehen. Ob sie ernsthaft daran zweifelt?

In Magda hab ich endlich mal ein weibliches Wesen gefunden, dass mir erklären kann, wie ein Weib funktioniert, ohne dass sie mehr von mir will. Oh nein, jetzt heult Andrea wieder. Dabei weiß sie, dass ich das nicht sehen kann. Ich lauf ne Runde um den Block. Vielleicht hat sie sich beruhigt, wenn ich wieder zurück bin. Frauen sind aber auch schwer zu verstehen. Nicht mal Magda versteht Andrea.

Ähnliche Beitrage

Z wie Zauber

Z wie Zauber

XP – Ein Text aus dem Jahr 2009

XP – Ein Text aus dem Jahr 2009

W wie Weihnachtszeit

W wie Weihnachtszeit

Verzeih mir

Verzeih mir